Medienmitteilung des Netzwerkes «Chur mitgestalten»

Grosse Mitwirkung bei der Stadtentwicklung - die Stadt ist nun gefordert

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Das Stadtentwicklungskonzept STEK Chur 2050 bewegt die Churerinnen und Churer. Das zeigt die grosse Teilnahme an der öffentlichen Mitwirkung. Einige Anliegen aus der Mitwirkung hat der Stadtrat erfreulicherweise aufgenommen. Gesamthaft bleibt das STEK Chur 2050 aber nach wie vor unkonkret, wenig zukunftsgerichtet und stellenweise auch widersprüchlich. Der Stadtrat scheint alle Optionen frei halten zu wollen.

117 Stellungnahmen zum STEK Chur 2050 hat die Stadt erhalten, von Privatpersonen, Organisationen und Institutionen – eine beachtliche Teilnahme. Gemäss Mitwirkungsbericht hat der Stadtrat 11 Anpassungen vorgenommen, weitere Anliegen wurden auf die nächsten Planungsprozesse verschoben. Gerade darum ist es wichtig, dass das Hauptanliegen des Netzwerkes «Chur mitgestalten» berücksichtigt wurde: Die Mitwirkung der Bevölkerung soll verbessert werden. Geplant sind Soundingboards mit Fach-, Quartier- und Interessenvertretungen. Das Netzwerk «Chur mitgestalten» freut sich auf die Einladung und ist bereit, aktiv für ein lebenswertes nachhaltiges Chur mitzuwirken. Eine aktive Mitwirkung der Bevölkerung bedingt jedoch auch, dass sämtliche relevanten Grundlagen, wie das städtische Freiraumkonzept, zur Verfügung gestellt werden. Transparenz ist die Basis für eine inspirierende und anregende Mitwirkung der Bevölkerung.

Über die weiteren Anliegen, die neu ins STEK eingeflossen sind, freut sich das Netzwerk «Chur mitgestalten»: Neu heisst es, dass die Verkehrssicherheit und der Lärmschutz hohe Priorität haben sollen. Das funktioniert aber nur, wenn entsprech-ende Massnahmen umgesetzt werden, wie das Gesetz für einen menschen- und umweltfreundlichen Stadtverkehr, welches bereits 1989 von der Stimmbevölkerung angenommen wurde. Das heisst: keine zusätzlichen Verkehrsflächen für das Auto, kein Ausweichverkehr durch Wohnquartiere, flächendeckendes Tempo 30, lärmsanierte Hauptverkehrsachsen, attraktive Veloverbindungen. Im STEK sind aber zu viele Stossrichtungen, die dem zuwiderlaufen, wie der Ausbau der Stadt-erschliessung (z.B. neuer Autobahnanschluss Chur Mitte).

Die Klimakrise bekommt im überarbeiteten STEK zwar etwas mehr Raum, konkrete Handlungsanweisungen fehlen jedoch auch hier. Immerhin steht jetzt im STEK 2050, dass die Stadt mit dem Masterplan Energie und Klima auf das Netto-Null-Ziel 2050 hinarbeitet. Die Churerinnen und Churer haben mit einem 56%-Anteil JA zum nationalen CO2-Gesetz gesagt und erwarten, dass Chur beim Klimaschutz ernst macht. Der Masterplan Energie und Klima muss rasch kommen, einen ambitionierten Massnahmenplan sowie konkrete Fördermassnahmen aufzeigen. Die Klimakrise erlaubt kein Zögern mehr.

Das Thema Freiraumplanung wird von der Stadt zwar als wichtiges Anliegen anerkannt, konkretisiert wird aber erst in der nächsten Planungsstufe. Genügend und attraktive Aufenthaltsräume, Grünflächen, Velo- und Fusswege sind entscheidend für die Lebensqualität in der Stadt und beschäftigen die Bevölkerung stark. Gerade hier ist ein aktiver frühzeitiger Mitein-bezug der Bevölkerung darum zentral.

Ein zentraler Widerspruch bleibt im STEK leider bestehen: Die Bevölkerung nimmt in Chur gemäss Prognose von Bund und Kanton bis 2050 auf 41'300 Menschen zu. Der Stadtrat zielt jedoch auf eine Stadt ab mit bis zu 57’000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Das Netzwerk «Chur mitgestalten» fordert hier eine sachlich fundierte Auseinandersetzung mit den Vor- und Nachteilen einer wachsenden Stadt. Die Herausforderungen von Verdichtung, Verkehrszunahme, Mangel an Frei-räumen und bezahlbarem Wohnraum werden dadurch stark akzentuiert.

Das Netzwerk «Chur mitgestalten» konzentriert sich nun auf die nächsten Planungsprozesse und wird sich weiterhin aktiv für eine lebenswerte nachhaltige Stadt mit einer lebendigen Diskussionskultur und aktiven Teilnahme der Bevölkerung einsetzen.

Für das Netzwerk “Chur mitgestalten”, Koordinatorin Regula Ott
 

Kontakte:

  • Für das Netzwerk «Chur mitgestalten», Koordinatorin Regula Ott, 076 318 96 44, regula.ott@gmail.com
  • Freie Liste Grüne, Präsident, Andi Schnoz, 079 393 38 63, mail@andischnoz.ch
  • Klimastreik Graubünden, Loris Niethammer, 078 612 88 95, klimastreik.graubuenden@gmail.com
  • IG für lebendige Wohn- und Stadträume, Yvonne Michel Conrad, 078 802 56 40, IGlebendigsChur@gmx.ch
  • Pro Natura Graubünden, Josia Orlik, 077 431 52 47, josia.orlik@pronatura.ch
  • Pro Velo Graubünden, Geschäftsführer, Simon Gredig, 081 641 22 87, info@provelogr.ch
  • SP Chur, Co-Präsidentin Giulia Casale, 078 944 07 34, giulia.casale@gmail.com
  • VCS Graubünden, Präsident, Stefan Grass, 081 250 67 22, stefangrass@vcs-gr.ch
  • WWF Graubünden, Geschäftsleiterin Anita Mazzetta, 076 500 48 18, anita.mazzetta@wwf.ch


Quelle: Medienmitteilung vom Netzwerk "Chur mitgestalten" am 10.02.2022

 

Freitag, 11. Februar 2022 in der Südostschweiz und Bündner Tagblatt

Leise Kritik an Churer Konzept

Das Konzept zur Stadtentwicklung in Chur vermag das Netzwerk «Chur mitgestalten» nicht gänzlich zu überzeugen.

Am Montag hat die Churer Stadträtin Sandra Maissen den Medien die Endfassung des Churer Stadtentwicklungskonzepts vorgestellt (Ausgabe vom Dienstag). Dieses soll die Leitplanken dafür setzen, wie sich die Stadt bis 2050 weiterentwickeln soll. 

Genau zu Gemüte geführt hat sich das Endprodukt das Netzwerk «Chur mitgestalten», welches aus linken Parteien, Umwelt- und Klimaschutzorganisationen, Pro Velo Graubünden und der Interessensgemeinschaft für lebendige Wohn- und Stadträume besteht. Das Netzwerk hatte in der Vernehmlassung im letzten Sommer bereits an zahlreichen Stellen kritische Anmerkungen eingebracht. Nun hat es sich erneut zu Wort gemeldet. Und es findet nun doch auch Lob für das Konzept. Es sei wichtig, dass das Hauptanliegen des Netzwerkes aufgenommen wurde: Die bessere Mitwirkung der Bevölkerung. Positiv hebt das Netzwerk auch hervor, dass die Anmerkungen zum Thema Verkehrssicherheit und Lärmschutz eingeflossen sind. Diesen Anliegen soll nun gemäss Konzept «hohe Priorität» eingeräumt werden. Das funktioniert aus Sicht des Netwerks aber nur, wenn entsprechende Massnahmen umgesetzt werden. Konkret: Keine zusätzlichen Verkehrsflächen für das Auto, kein Ausweichverkehr durch Wohnquartiere, flächendeckendes Tempo 30, lärmsanierte Hauptverkehrsachsen und attraktive Veloverbindungen. 

Netzwerk sieht Widerspruch

In manchen Punkten üben die Beteiligten weiterhin Kritik: «Ein zentraler Widerspruch bleibt im Konzept leider bestehen: Die Bevölkerung nimmt in Chur gemäss Prognose von Bund und Kanton bis 2050 auf 41 300 Menschen zu.» Der Stadtrat ziele jedoch auf eine Stadt mit bis zu 57 000 Einwohnerinnen und Einwohnern ab. «Das Netzwerk fordert hier eine sachlich fundierte Auseinandersetzung mit den Vor- und Nachteilen einer wachsenden Stadt. Die Herausforderungen von Verdichtung, Verkehrszunahme, Freiraummangel und bezahlbarem Wohnraum werden dadurch stark akzentuiert.» 

Auch die Klimakrise komme im Konzept weiter zu kurz, auch wenn sie etwas mehr Raum als in der vorherigen Version erhalte. Denn konkrete Handlungsanweisungen würden weiterhin fehlen. (kup)

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